1. Augustrede 2005

Der teuerste Mist der Welt, Landwirtschaft verschmutzt die Umwelt, überdüngt die Seen, betreibt Hobbylandwirtschaft auf kosten des Steuerzahlers oder der Landwirt hat Land und die Wirtschaft schaft.
Die Schweizerlandwirtschaft ist ein höchst emotionales Thema und wegen den WTO Verhandlungen fast täglich in den Medien präsent. Ausserdem gibt es in der Schweiz ca. 6 Millionen Experten und jeder hat eine andere Meinung von der Landwirtschaft.
Wenigstens hat der erste August etwas mit Landwirtschaft zu tun. Waren doch die strammen Mannen, Walter Fürst von Uri, Werner Stauffacher von Schwyz und Arnold von Melchtal die am 1. August 1291 auf dem Rütli die Finger zur Gründung der Eidgenossenschaft in die Höhe hoben Bauern. Nach dem zweiten Weltkrieg mit der Anbauschlacht nach Bundesrat Wahlen war das Ziel möglichst viel zu Produzieren. Der Bund sagte pflanzt und sät wir vermarkten die Produkte. Es galt der Grundsatz Wehrstand gleich Nährstand.
Die ältere Generation von ihnen wird sich sicher noch an diese Zeit erinnern.
Jetzt Jahrzehnte später sieht alles ein bisschen anders aus.

In der neuen Bundesverfassung sind die Aufgaben der Landwirtschaft neu definiert.
Art. 104 lautet

Der Bund sorgt dafür, dass die Landwirtschaft durch eine nachhaltige und auf den Markt ausgerichtete Produktion einen wesentlichen Beitrag leistet zur:

a) sichern Versorgung der Bevölkerung
b) Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und zur Pflege der Kulturlandschaft
c) Dezentralen Besiedlung des Landes

Achten sie auf das Wagenrad
Ein Bauernhof ist wie ein Rad. Das Rad dreht sich. Manchmal ist etwas oben manchmal unten. Das Rad dreht sich langsamer manchmal schneller. Denken sie kurz an ihre Kindheit zurück wie lange es dauerte bis das Christkind kam, oder wie schnell die Zeit vergeht wen man selber Kinder hat. Zurück zum Kreislauf der Natur oder des Bauernhofes.
Dreht sich das Rad zu schnell oder bricht ein tragendes Element gerät der Kreislauf aus der Bahn oder Kontrolle. Oft hat man das Gefühl das in der heutigen hochtechnisierten Welt alles möglich ist. Da werden vor laufenden Kameras Herzen verpflanzt mit dem Wissen das der Spender eine andere Blutgruppe hat mit dem Ergebnis das der Empfänger des Herzens stirbt. Das Rad hat zu schnell gedreht. Damit ein Hof funktioniert müssen verschiedene Räder ineinander greifen.
Zu den wichtigsten Rädli ein paar Gedanken.

Nimm dir Zeit
An unserem Boiler im Milchraum steht folgender Spruch. Ahme den Gang der Natur nach, ihr Geheimnis ist die Geduld oder weniger poetisch gesagt alles braucht seine Zeit. Es steht schon in der Bibel geschrieben das Getreide auch nicht schneller wächst wenn man daran zieht. Sicher ist man mit der heutigen Mechanisierung viel schneller, man kann kurze Schönwetterperioden optimal ausnutzen. Es braucht aber immer noch gleich lange bis die Äpfel oder das Getreide reif ist oder dauert es immer noch 9 Monate bis ein Kälblein das Licht der Welt erblickt.
Für mich war es schon immer klar das ich einmal Bauer werden will. Der Beruf Landwirt ist eine Berufung. Mein Lehrmeister pflegte zu sagen, der Herrgott hat uns zu Bauern gemacht das können wir und das wollen wir. Es war schon immer so das die Natur die Arbeit der Bauern beeinflusst und steuert. Natürlich kann man die Natur ein wenig überlisten aber es kommt alles einmal zurück. Ich denke an das Nitrat im Grundwasser wegen übermässigem Düngereinsatz oder an die Trockenheit in der Mittelmeer Region wo der Boden wegen der übermässigen Bewässerung versalzt. Es bringt längerfristig niemanden etwas wen wir von dort billiges Gemüse importieren und im Winter Erdbeeren essen.
Wussten sie das es auf der ganzen Welt keine Maschine gibt die Boden herstellen kann. Ist dieser verbetoniert oder versalzen ist es vorbei. Bis fruchtbarer Boden entsteht dauert es Jahr bis die Bodenlebewesen und Regenwürmer organisches Material in fruchtbaren Humus umgewandelt haben. Als Bauer sollte man stets die Schöpfung wenig im Hinterkopf haben. Den so manches ist ein kleines Wunder das wir oft übersehen. Denken sie an Frühling wen nach dem Winterschlaf erwacht oder an des schöne saftige grün nach einem Regen.

Familie
Als ich noch im grossen Kindergarten, in der Schweizerarme war, war ich oft mit einem Major als Motorfahrer unterwegs. Bei den vielen ausgedehnten z nüni und z zvieri pausen diskutierten wir oft über Gott und die Welt. Dieser Major wusste viel über die Landwirtschaft und war ihr gegenüber positiv eingestellt. Dieser Major sagte zu mir: Höre Koller, jeder Hof ist nur so gut wie die Bäuerin. Mit dieser Steigt er oder fällt er. Sehr schön aber manchmal auch eine Herausforderung ist wie bei uns zuhause das mehrere Generationen auf den Höfen leben. So kann ich in die Ferien fahren oder Sonntags ausschlafen. Will man kurz weg ist Grosspapi oder das Grossmueti sicher da um schnell auf die kleinen aufzupassen.

Boden
Erde, Humus ist die Lebensgrundlage jedes Bauernhofes, sogar der ganzen Menschheit. Zu ihm müssen wir am meisten Sorge tragen, nicht nur die Landwirtschaft mit den schweren Maschinen und dem Chemieeinsatz sondern jeder einzelne Mensch der auf der Erde lebt. Was bringt es wen wir in der Schweiz immer strengere Auflagen und Gesetze machen und alles aus dem Auslande billig Importieren wollen. Jetzt im Medien Sommerloch ist der Feinstaub der Dieselmotoren aktuell. Die Land und Forstwirtschaft würden 35% der Emmision verursachen. Ich hoffe das es ihnen bewusst ist das der Ausstoss während der Arbeit und nicht beim unsinnigen herumfahren und transportieren der Waren geschieht. Denken sie an Parmaschinken aus Holland. Dass der Feinstaub reduziert werden muss ist klar. Aber freuen sie sich, dass die Landwirtschaft das heisst Land und der Wald zu den grössten Sauerstoffproduzenten gehören. Eine Hektare Futterrüben produziert umgerechnet auf ein Jahr 15,3 Millionen Liter Sauerstoff. Das entspricht dem Jahresbedarf von 63 Menschen. Eine Hektare Wald produziert nur etwa ein Viertel.

Tiere
Tiere gehören zum Bauernhof wie Schnaps in den Kaffee.
Sie liefern uns Fleisch, Milch und Dünger. Die Tiere pflegen unsere Landschaft. Sie geben uns Freude und hören uns zu. Es braucht ein gutes Auge um zu sehen ob es den Tieren wohl ist. Haben sie gewusst das die Kühe nur zur Arterhaltung Milch geben und nicht weil der Bauer es will. Wird die Kuh nach dem Kalben nicht wieder trächtig versiegt der Milchfluss nach sieben Monaten. Eine Kuh zu füttern ist täglich eine neue Herausforderung da die Kühe sehr schnäderfrässig sind. Eine Kuh frisst im Sommer ca. 120 Kilo frisches Gras und säuft 100 Liter Wasser. Um ein Liter Milch zu produzieren müssen 400 Liter Blut durch das Euter gepumpt werden. Bei einer Milchleistung von 30 Liter im Tag sind das 12 000 Liter Blut. Bei einer solchen Leistung muss alles stimmen. Das Tier muss gesund sein ihm muss es rund um wohl sein. Angefangen bei der Fütterung bis zum Liegeplatz der Kuh. Ich staune immer wieder wie Tierschützer und andere selbsternannte Experten alles besser wissen und dabei selber vor der eigenen Haustüre wischen sollten.

Soviel zum Kreislauf des Lebens vom Kreislauf der Landwirtschaft.
Wir alle wissen jeder Trend erzeugt einen Gegentrend. ZB. vor zehn Jahren war Label total angesagt, und jetzt Jahre später halben alle Angst vor Lidl und Aldi. Die Grossverteilen müssen ihre Margen abbauen und entlassen im Moment 5000 bis 6000 Angestellte. Jeder Konsument entscheidet selber was und wo er mit seinem Geld einkaufen wird. Damit wir in Zukunft mit dem Ausland mithalten können müssen wir wieder lernen zu verzichten. Dies ist einfacher gesagt als getan. Vergessen wir nicht das der Schweizer nur acht Prozent von seinem Einkommen für Ernährung ausgibt. Im Fach Betriebswirtschaft haben wir gelernt das es am meisten Sinn macht bei den grössten Budgetposten zu sparen. Ist es nötig stets die neusten Mobiltelefonen, Multimediageräte anzuschaffen. Kaufen wir ein Auto, sitzt der Geldbeutel für die Metalliclackierung nicht etwas lockerer als wenn wir im Laden vor den Grundnahrungsmittel stehen und die ausländischen Produkte wegen der paar Rappen Differenz kaufen. Haben Sie gewusst das ein Kilo Nespresso Kaffee bis 80 Franken kostet. Also liebe Zuhörer jeder Einzelne entscheidet selber ob er seinen Produkte und Dienstleistungen stets vom billigsten Anbieter bezieht also nach dem Motte geiz ist geil oder ob er den einheimischen Handwerker, Detaillist bevorzugt der auch Lehrlinge ausbildet. Also in Zukunft Schweiz ist Geil. Schweizer Produkte mit Schweizerlöhnen.
Vier Milliarden kostet die Schweizer Landwirtschaft hört man fast täglich. Es nimmt mich nur Wunder wo das Geld überall versickert. So kostet z.b. die Verwaltung der Direktzahlungen im Kanton Luzern sage und schreibe eine Million Franken. Selbst die Grossverteiler beziehen für ihre Forschungsarbeiten wie die Schmerzfreie Ferkelkastration Millionen von Franken und haben nach bald zehn Jahren immer noch keine praxistaugliche Lösung gefunden dafür. Die Landwirtschaft kostet nicht nur, sie gibt auch Arbeit. Die Schweizerbauern bezahlen 2.5 Milliarden zuviel für die Produktionsmittel. Wegen ständig neuen und strengeren Tierschutzvorschriften müssen die Stallungen fast alle 10 Jahre umgebaut und angepasst werden. Im Kanton Luzern gibt es 5400 Bauernhöfe. Auf diesen arbeiten im Vollerwerb 11500 und im Nebenerwerb 4500 Personen.
Zusammen mit den Vor und Nachgelagerten Betrieben die ca. 9000 Personen beschäftigen sind dies 11 % der Erwerbstätigen im Kanton Luzern. Also bekommt jeder neunte von der Landwirtschaft Arbeit.

Zum Schluss ein paar Gedanken zur Zukunft
Die Nahrungsmittel Produktion wird sich in Zukunft von Süden nach Osten verlagern da im Mittelmeerraum permanente Trockenheit herrscht. Im Osten , Ungarn Polen liegen 380 000 Hektar bestes Ackerland brach. Wird dort in ein paar Jahren die kaputte Infrastruktur zur Verarbeitung der Produkte wieder hergestellt werden wir in der Schweiz vielleicht tatsächlich zu Vollamtlichen Landschaftspflegern. Ob es kommen wird weiss niemand. Sie wissen sicher das der Osten ganz andere Probleme hat. Es gibt dort riesige Industrieanlagen, alte Atomkraftwerke, sogar Atomreaktoren die einfach im Meer entsorgt vor sich her rosten. Was passiert wen diese einmal mit strahlen beginnen weiss niemand. Kommt hinzu da der schlafende Riese China am erwachen ist.
Die Chinesen passen sich an die westliche Welt an. Im Moment kaufen sie auf der ganzen Welt Rohstoffe zusammen. In ein paar Jahren wird sich das chinesische Volk nicht mehr mit Reis zu Frieden geben.
Wir alle sitzen auf dem Gleichen Wagen. Der von so einem Rad wie diesem getragen wird. Dieses Rad ist nur so stark wie sein schwächstes Teil. Schauen wir miteinander nach vorne, schauen und glauben wir an die Zukunft. Stehen wir zusammen wie die drei Bärtigen am 1 August 1291. Nur miteinander liebe Zuhörer können wir es schaffen.


Ich wünsche Ihnen allen alles Gute, Gesundheit, Gottessegen und einen schönen 1. August. Herzlichen Dank dass sie gekommen sind.