| Der teuerste Mist der Welt, Landwirtschaft verschmutzt
die Umwelt, überdüngt die Seen, betreibt Hobbylandwirtschaft
auf kosten des Steuerzahlers oder der Landwirt hat Land und die Wirtschaft
schaft.
Die Schweizerlandwirtschaft ist ein höchst emotionales Thema und
wegen den WTO Verhandlungen fast täglich in den Medien präsent.
Ausserdem gibt es in der Schweiz ca. 6 Millionen Experten und jeder hat
eine andere Meinung von der Landwirtschaft.
Wenigstens hat der erste August etwas mit Landwirtschaft zu tun. Waren
doch die strammen Mannen, Walter Fürst von Uri, Werner Stauffacher
von Schwyz und Arnold von Melchtal die am 1. August 1291 auf dem Rütli
die Finger zur Gründung der Eidgenossenschaft in die Höhe hoben
Bauern. Nach dem zweiten Weltkrieg mit der Anbauschlacht nach Bundesrat
Wahlen war das Ziel möglichst viel zu Produzieren. Der Bund sagte
pflanzt und sät wir vermarkten die Produkte. Es galt der Grundsatz
Wehrstand gleich Nährstand.
Die ältere Generation von ihnen wird sich sicher noch an diese Zeit
erinnern.
Jetzt Jahrzehnte später sieht alles ein bisschen anders aus.
In der neuen Bundesverfassung sind die Aufgaben der Landwirtschaft neu
definiert.
Art. 104 lautet
Der Bund sorgt dafür, dass die Landwirtschaft durch eine nachhaltige
und auf den Markt ausgerichtete Produktion einen wesentlichen Beitrag
leistet zur:
a) sichern Versorgung der Bevölkerung
b) Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und zur Pflege der
Kulturlandschaft
c) Dezentralen Besiedlung des Landes
Achten sie auf das Wagenrad
Ein Bauernhof ist wie ein Rad. Das Rad dreht sich. Manchmal ist etwas
oben manchmal unten. Das Rad dreht sich langsamer manchmal schneller.
Denken sie kurz an ihre Kindheit zurück wie lange es dauerte bis
das Christkind kam, oder wie schnell die Zeit vergeht wen man selber Kinder
hat. Zurück zum Kreislauf der Natur oder des Bauernhofes.
Dreht sich das Rad zu schnell oder bricht ein tragendes Element gerät
der Kreislauf aus der Bahn oder Kontrolle. Oft hat man das Gefühl
das in der heutigen hochtechnisierten Welt alles möglich ist. Da
werden vor laufenden Kameras Herzen verpflanzt mit dem Wissen das der
Spender eine andere Blutgruppe hat mit dem Ergebnis das der Empfänger
des Herzens stirbt. Das Rad hat zu schnell gedreht. Damit ein Hof funktioniert
müssen verschiedene Räder ineinander greifen.
Zu den wichtigsten Rädli ein paar Gedanken.
Nimm dir Zeit
An unserem Boiler im Milchraum steht folgender Spruch. Ahme den Gang der
Natur nach, ihr Geheimnis ist die Geduld oder weniger poetisch gesagt
alles braucht seine Zeit. Es steht schon in der Bibel geschrieben das
Getreide auch nicht schneller wächst wenn man daran zieht. Sicher
ist man mit der heutigen Mechanisierung viel schneller, man kann kurze
Schönwetterperioden optimal ausnutzen. Es braucht aber immer noch
gleich lange bis die Äpfel oder das Getreide reif ist oder dauert
es immer noch 9 Monate bis ein Kälblein das Licht der Welt erblickt.
Für mich war es schon immer klar das ich einmal Bauer werden will.
Der Beruf Landwirt ist eine Berufung. Mein Lehrmeister pflegte zu sagen,
der Herrgott hat uns zu Bauern gemacht das können wir und das wollen
wir. Es war schon immer so das die Natur die Arbeit der Bauern beeinflusst
und steuert. Natürlich kann man die Natur ein wenig überlisten
aber es kommt alles einmal zurück. Ich denke an das Nitrat im Grundwasser
wegen übermässigem Düngereinsatz oder an die Trockenheit
in der Mittelmeer Region wo der Boden wegen der übermässigen
Bewässerung versalzt. Es bringt längerfristig niemanden etwas
wen wir von dort billiges Gemüse importieren und im Winter Erdbeeren
essen.
Wussten sie das es auf der ganzen Welt keine Maschine gibt die Boden herstellen
kann. Ist dieser verbetoniert oder versalzen ist es vorbei. Bis fruchtbarer
Boden entsteht dauert es Jahr bis die Bodenlebewesen und Regenwürmer
organisches Material in fruchtbaren Humus umgewandelt haben. Als Bauer
sollte man stets die Schöpfung wenig im Hinterkopf haben. Den so
manches ist ein kleines Wunder das wir oft übersehen. Denken sie
an Frühling wen nach dem Winterschlaf erwacht oder an des schöne
saftige grün nach einem Regen.
Familie
Als ich noch im grossen Kindergarten, in der Schweizerarme war, war ich
oft mit einem Major als Motorfahrer unterwegs. Bei den vielen ausgedehnten
z nüni und z zvieri pausen diskutierten wir oft über Gott und
die Welt. Dieser Major wusste viel über die Landwirtschaft und war
ihr gegenüber positiv eingestellt. Dieser Major sagte zu mir: Höre
Koller, jeder Hof ist nur so gut wie die Bäuerin. Mit dieser Steigt
er oder fällt er. Sehr schön aber manchmal auch eine Herausforderung
ist wie bei uns zuhause das mehrere Generationen auf den Höfen leben.
So kann ich in die Ferien fahren oder Sonntags ausschlafen. Will man kurz
weg ist Grosspapi oder das Grossmueti sicher da um schnell auf die kleinen
aufzupassen.
Boden
Erde, Humus ist die Lebensgrundlage jedes Bauernhofes, sogar der ganzen
Menschheit. Zu ihm müssen wir am meisten Sorge tragen, nicht nur
die Landwirtschaft mit den schweren Maschinen und dem Chemieeinsatz sondern
jeder einzelne Mensch der auf der Erde lebt. Was bringt es wen wir in
der Schweiz immer strengere Auflagen und Gesetze machen und alles aus
dem Auslande billig Importieren wollen. Jetzt im Medien Sommerloch ist
der Feinstaub der Dieselmotoren aktuell. Die Land und Forstwirtschaft
würden 35% der Emmision verursachen. Ich hoffe das es ihnen bewusst
ist das der Ausstoss während der Arbeit und nicht beim unsinnigen
herumfahren und transportieren der Waren geschieht. Denken sie an Parmaschinken
aus Holland. Dass der Feinstaub reduziert werden muss ist klar. Aber freuen
sie sich, dass die Landwirtschaft das heisst Land und der Wald zu den
grössten Sauerstoffproduzenten gehören. Eine Hektare Futterrüben
produziert umgerechnet auf ein Jahr 15,3 Millionen Liter Sauerstoff. Das
entspricht dem Jahresbedarf von 63 Menschen. Eine Hektare Wald produziert
nur etwa ein Viertel.
Tiere
Tiere gehören zum Bauernhof wie Schnaps in den Kaffee.
Sie liefern uns Fleisch, Milch und Dünger. Die Tiere pflegen unsere
Landschaft. Sie geben uns Freude und hören uns zu. Es braucht ein
gutes Auge um zu sehen ob es den Tieren wohl ist. Haben sie gewusst das
die Kühe nur zur Arterhaltung Milch geben und nicht weil der Bauer
es will. Wird die Kuh nach dem Kalben nicht wieder trächtig versiegt
der Milchfluss nach sieben Monaten. Eine Kuh zu füttern ist täglich
eine neue Herausforderung da die Kühe sehr schnäderfrässig
sind. Eine Kuh frisst im Sommer ca. 120 Kilo frisches Gras und säuft
100 Liter Wasser. Um ein Liter Milch zu produzieren müssen 400 Liter
Blut durch das Euter gepumpt werden. Bei einer Milchleistung von 30 Liter
im Tag sind das 12 000 Liter Blut. Bei einer solchen Leistung muss alles
stimmen. Das Tier muss gesund sein ihm muss es rund um wohl sein. Angefangen
bei der Fütterung bis zum Liegeplatz der Kuh. Ich staune immer wieder
wie Tierschützer und andere selbsternannte Experten alles besser
wissen und dabei selber vor der eigenen Haustüre wischen sollten.
Soviel zum Kreislauf des Lebens vom Kreislauf der Landwirtschaft.
Wir alle wissen jeder Trend erzeugt einen Gegentrend. ZB. vor zehn Jahren
war Label total angesagt, und jetzt Jahre später halben alle Angst
vor Lidl und Aldi. Die Grossverteilen müssen ihre Margen abbauen
und entlassen im Moment 5000 bis 6000 Angestellte. Jeder Konsument entscheidet
selber was und wo er mit seinem Geld einkaufen wird. Damit wir in Zukunft
mit dem Ausland mithalten können müssen wir wieder lernen zu
verzichten. Dies ist einfacher gesagt als getan. Vergessen wir nicht das
der Schweizer nur acht Prozent von seinem Einkommen für Ernährung
ausgibt. Im Fach Betriebswirtschaft haben wir gelernt das es am meisten
Sinn macht bei den grössten Budgetposten zu sparen. Ist es nötig
stets die neusten Mobiltelefonen, Multimediageräte anzuschaffen.
Kaufen wir ein Auto, sitzt der Geldbeutel für die Metalliclackierung
nicht etwas lockerer als wenn wir im Laden vor den Grundnahrungsmittel
stehen und die ausländischen Produkte wegen der paar Rappen Differenz
kaufen. Haben Sie gewusst das ein Kilo Nespresso Kaffee bis 80 Franken
kostet. Also liebe Zuhörer jeder Einzelne entscheidet selber ob er
seinen Produkte und Dienstleistungen stets vom billigsten Anbieter bezieht
also nach dem Motte geiz ist geil oder ob er den einheimischen Handwerker,
Detaillist bevorzugt der auch Lehrlinge ausbildet. Also in Zukunft Schweiz
ist Geil. Schweizer Produkte mit Schweizerlöhnen.
Vier Milliarden kostet die Schweizer Landwirtschaft hört man fast
täglich. Es nimmt mich nur Wunder wo das Geld überall versickert.
So kostet z.b. die Verwaltung der Direktzahlungen im Kanton Luzern sage
und schreibe eine Million Franken. Selbst die Grossverteiler beziehen
für ihre Forschungsarbeiten wie die Schmerzfreie Ferkelkastration
Millionen von Franken und haben nach bald zehn Jahren immer noch keine
praxistaugliche Lösung gefunden dafür. Die Landwirtschaft kostet
nicht nur, sie gibt auch Arbeit. Die Schweizerbauern bezahlen 2.5 Milliarden
zuviel für die Produktionsmittel. Wegen ständig neuen und strengeren
Tierschutzvorschriften müssen die Stallungen fast alle 10 Jahre umgebaut
und angepasst werden. Im Kanton Luzern gibt es 5400 Bauernhöfe. Auf
diesen arbeiten im Vollerwerb 11500 und im Nebenerwerb 4500 Personen.
Zusammen mit den Vor und Nachgelagerten Betrieben die ca. 9000 Personen
beschäftigen sind dies 11 % der Erwerbstätigen im Kanton Luzern.
Also bekommt jeder neunte von der Landwirtschaft Arbeit.
Zum Schluss ein paar Gedanken zur Zukunft
Die Nahrungsmittel Produktion wird sich in Zukunft von Süden nach
Osten verlagern da im Mittelmeerraum permanente Trockenheit herrscht.
Im Osten , Ungarn Polen liegen 380 000 Hektar bestes Ackerland brach.
Wird dort in ein paar Jahren die kaputte Infrastruktur zur Verarbeitung
der Produkte wieder hergestellt werden wir in der Schweiz vielleicht tatsächlich
zu Vollamtlichen Landschaftspflegern. Ob es kommen wird weiss niemand.
Sie wissen sicher das der Osten ganz andere Probleme hat. Es gibt dort
riesige Industrieanlagen, alte Atomkraftwerke, sogar Atomreaktoren die
einfach im Meer entsorgt vor sich her rosten. Was passiert wen diese einmal
mit strahlen beginnen weiss niemand. Kommt hinzu da der schlafende Riese
China am erwachen ist.
Die Chinesen passen sich an die westliche Welt an. Im Moment kaufen sie
auf der ganzen Welt Rohstoffe zusammen. In ein paar Jahren wird sich das
chinesische Volk nicht mehr mit Reis zu Frieden geben.
Wir alle sitzen auf dem Gleichen Wagen. Der von so einem Rad wie diesem
getragen wird. Dieses Rad ist nur so stark wie sein schwächstes Teil.
Schauen wir miteinander nach vorne, schauen und glauben wir an die Zukunft.
Stehen wir zusammen wie die drei Bärtigen am 1 August 1291. Nur miteinander
liebe Zuhörer können wir es schaffen.
Ich wünsche Ihnen allen alles Gute, Gesundheit, Gottessegen und einen
schönen 1. August. Herzlichen Dank dass sie gekommen sind.
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